Madentherapie

 

Was ist die Madentherapie?

„Madentherapie“, „Larventherapie“, oder „Biochirugie“ beschreibt den Einsatz von Larven, genauer von Larven der Goldfliege, zur Entfernung von abgestorbenem Gewebe und dickflüssiger, zäher und schmieriger Gewebeauflagerungen von Wundoberflächen. Bei den medizinischen Fliegenlarven handelt es sich um zugelassene Arzneimittel, welche strengen Auflagen unterliegen und unter sterilen Bedingungen hergestellt werden.

Die Larventherapie hat Tradition. Berichten zur Folge wurde die Madentherapie bereits von Ureinwohnern Australiens praktiziert. Über Jahrhunderte wurde von Chirurgen, die beim Militär arbeiteten, die positiven Auswirkungen von mit Maden befallenen Wunden von verletzten Soldaten beobachtet. Es zeigte sich, dass die Wunden, die mit Maden befallen waren, schneller heilten.

W. Bear, Professor für orthopädische Chirurgie (John Hopkins Hospital, Baltimore) behandelte im 1. Weltkrieg verwundete Soldaten. Aus seiner Veröffentlichung im The Journal of Bone & Joint Surgery beschreibt er den Heilungsprozess der Wunden wie folgt: „... Most beautiful pink granulation tissue that one can imagine.“ (Bear, WS 1931)

Die Madentherapie geriet mit der Entdeckung des Penicillins in Vergessenheit.

Die wachsenden Herausforderungen durch multiresistente, häufig in chronischen Wunden vorkommende Bakterien führten zu einer „Wiederentdeckung“. Die Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten zur Madentherapie sind seit 2013 wieder deutlich angestiegen.

Anwendungsgebiete der Madentherapie

Therapieablauf der Madentherapie

  • 1
    Klinische Beobachtungen zeigen, dass die Larven nur abgestorbenes Gewebe entfernen und gesundes nicht beeinträchtigt wird.
  • 2
    Die Wunde wird durch die Abgabe eines Verdauungssafts der Maden gereinigt. Dieser verflüssigt das tote Gewebe mithilfe eiweißaufnehmender Enzyme, die im Speichel der Larven enthalten sind, und wird anschließend als Nahrung aufgesaugt.
  • 3
    Das antimikrobielle Abtöten der Bakterien passiert im Darm der Maden.
  • 4
    Idealerweise sollte der Patient während der Therapie Kontakt mit Wärme, Wasser und Druck auf die Wunde meiden, da sonst das Leben der Maden gefährdet werden kann. Die Larven können bis zu vier Tage in der Wunde verbleiben. Erfahrungsgemäß sollte die Wunde nach etwa zwei Anwendungen gereinigt sein. Die Therapie wird von unseren qualifizierten und erfahrenen Wundmanagern durchgeführt.

Ziel der Madentherapie

Das Entfernen von abgestorbenem Gewebe und bakteriellen Belegen sowie Fremdkörpern vom Wundbett ist ein wesentlicher Schritt zur Wundheilung und Verbesserung der Lebensqualität von Patienten.


Bildquellen:

Eine Informationsbroschüre für Pflegende und Patienten-Larventherapie- BioMonde.
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Autor(en)

PD Dr. Dr. Tobias Romeyke Geschäftsführer der Waldhausklinik Deuringen


Literaturquellen

Baer, W. S. (1931). The treatment of chronic osteomyelitis with the maggot (larva of the blow fly). JBJS, 13(3), 438-475.

Chambers L. et al. (2003). Degradation of extracellular matrix components by defined proteases from the greenbottle larva Lucilia sericata used for the clinical debridement of nonhealing wounds. Br J Dermatol 148, 14-23

Telford G. et al. (2010): Maggot chymotrypsin I from Lucilia sericata is resistant to endogenous wound protease inhibitors. British Journal of Dermatology 164: 192-196.

Strohal, R., Dissemond, J., Jordan O’Brien, J., Piaggesi, A., Rimdeika, R., Young, T., & Apelqvist, J. (2013). EWMA Document: Debridement: An updated overview and clarification of the principle role of debridement. Journal of wound care, 22(Sup1), S1-S49.